Entwicklung initiieren: Margit Kubale

Margit Kubale

Entwicklung initiieren

Seit Jahren arbeitet die Konstrukteurin im Projektgeschäft für Ingenieurgesellschaften – überzeugt und engagiert.

„Wir haben keine sanitären Anlagen für Sie...“ Als Margit Kubale, damals 17 Jahre jung, eine Ausbildung zur Tischlerin machen möchte, wird sie unter anderem mit diesem Argument konfrontiert. Diskutieren hilft nicht, es gibt kein Durchkommen bei den Betrieben. Also orientiert sie sich neu. Margit Kubale tauscht Holz gegen Metall, wählt den Beruf der Feinmechanikerin – und eine Ausbildung im Konzern. „Etwas Mut gehörte schon dazu“, meint sie im Rückblick. Mit ihr zählen eine weitere Frau und etwa 70 Männer zum Azubi-Jahrgang. Es läuft gut: Ablehnung durch die Kollegen spürt sie zu keinem Zeitpunkt, vielmehr Offenheit und Respekt. „Klar muss man anpacken und darf nicht zimperlich sein. Und es gibt mal derbe Sprüche.“ Damit aber kann sie gut umgehen – auch, weil sie schon damals in der DLRG aktiv ist. „Es ist halt ein manchmal etwas rauer, aber kameradschaftlicher Ton. “

Faszinierendes Ergebnis

Wenige Jahre nach ihrem Abschluss absolviert sie Technikerausbildungen in Maschinenbau und Feinwerktechnik. Seither konstruiert sie: unter anderem Automatikgetriebe, Sondermaschinen zur Bearbeitung elektronischer Kleinstbauteile, Waschanlagen, Aufzüge – teils inklusive Auslegung der Motoren. Dabei übernimmt sie gerne auch die Projektleitung. Input zu liefern und Fortschritt zu generieren, sieht sie als wesentliche Aufgabe der Fachleute von Ingenieurgesellschaften. „Ich finde es faszinierend, später an einer Anlage zu stehen, sie arbeiten zu sehen und zu wissen: Ein wesentlicher Teil dieser Funktion ist mein Werk!“

Leistung im Team

Mittlerweile ist sie 25 Jahre als Konstrukteurin aktiv und noch immer ein Fan spannender Projekteinsätze, intelligenter Softwarenutzung und aktiver Teamarbeit. „Austausch im Team ist wichtig für gute Produkte! Da kann man keinen Blindflug Einzelner brauchen. Die Maschinen sind ja komplex – im Blick auf Mechanik, Software, Elektrotechnik und erst recht im Zusammenwirken der Bereiche.“ Sie erwartet einiges von ihrem Umfeld und zeigt sich flexibel, wenn’s drauf ankommt. So ist sie ganz selbstverständlich im Auftrag von ep für einige Monate von Berlin nach Augsburg gezogen: „Ich mag Abwechslung und finde mich gerne in neue Bereiche ein. Ich will nachdenken müssen und gefordert werden!“

Freude an Innovation

Ob Margit Kubale sich als mutig bezeichnet? Sie zögert. Aufgeschlossen und zupackend passt eher. Wo sinnvoll, initiiert sie Optimierungsprozesse – oft, aber nicht immer mit der gewünschten Resonanz: „In einem Fall ging es um die Umstellung von konventionellen auf Sinterdruck-Prototypen. Obwohl ich die positiven Effekte belegen konnte, waren die Vorbehalte zu groß!“ Viele Entscheidungsträger setzen ihrer Erfahrung nach auf Bewährtes, vielleicht aus Bequemlichkeit oder mangelnder Courage: „Man spürt häufig die Sorge, in Vorbereitungen mit nicht ganz sicherem Ausgang zu investieren. Ich wünsche mir manchmal mehr Innovationsgeist!“ Positive Erlebnisse hat sie diesbezüglich im aktuellen Projekt bei Ambeg. Der innovative Mittelständler fördert Anregungen aus dem Team und setzt gute Vorschläge gerne um. Auch deshalb fühlt sich Margit Kubale in diesem Umfeld sehr wohl.

Auch daheim konstruktiv

Und privat? Margit Kubale ist Mutter zweier Töchter, von denen die eine Maschinenbau studiert, die andere zur Schule geht. „Mein Mann hat sich sehr für die Kinder engagiert, ich hab‘ beide Male früh wieder gearbeitet. Eine ‚Nur-Mutter’ war ich nie!“ Trotzdem geht ihr die Familie über alles. Ein roter Faden in der Erziehung, Konsequenz und Gelassenheit, Freizeitaktivitäten statt großer Karriere – all das sind gemeinsame Prinzipien. Auch Ihren Traum, als Tischlerin zu arbeiten, hat sie zuhause wahrgemacht. Ihr Mann, Schiffbauingenieur und ihrer Meinung nach der kreativere Gestalter, hat Möbel entworfen, sie hat sie konstruiert, das Bauen haben beide gemeinsam übernommen. In ihrer Wohnung gibt es, sagt sie, kaum etwas Anderes. Langsam gibt‘s auch wieder mehr Zeit zu zweit: Die Töchter waren beide ein Jahr lang in Südafrika. Sie sind selbstständig, empfinden ihr Zuhause dabei als festen Anker und VW-Bus-Camping mit den Eltern nach wie vor als erstrebenswert. „Offen sein für andere Kulturen und Menschen ist uns wichtig“, meint Margit Kubale. „Dass man auch mal eine Portion Sarkasmus versteht. Und dass man eine Meinung hat, die selbst recherchiert ist. Nicht alles glauben, was man gesagt bekommt: Das ist ganz wesentlich!“ 

Aktuelles Projekt:

Margit Kubale arbeitet im Auftrag von ep seit einigen Wochen bei der AMBEG Dr. J. Dichter GmbH in Berlin, einem führenden Hersteller von Glasbearbeitungsmaschinen. Dort passt sie aktuell eine Anlage bezüglich Motor und Getriebe neuen Anforderungen an. 

Aus dem ep Magazin #18 (11/2019)
Text: Annette Schlenker
Fotos: Christian Ernst